Be scared and then do it!

“Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst. Die Tapferen leben vielleicht nicht ewig, aber die Vorsichtigen leben überhaupt nicht.”

 

Manchmal ist es die Angst vor der Angst, manchmal die Höhe, die Enge oder die Turbulenzen. Und immer die gleichen Symptome: Albträume die Woche vorher, kaltschwitzende Hände und ein Herz, das mir fast aus der Brust springt.

Reisen ist für mich die Arterie eines erfüllten Lebens und dennoch leide ich unter Flugangst. Wie geht man also mit Angstgefühlen um, die drauf und dran sind, sich zwischen dich und deine Träume zu stellen?

Ich habe schon einige längere Reisen in meinem Leben unternommen und schon viele Flugstunden hinter mir. Doch habe ich bisher noch keine Maschine ohne ein mulmiges Gefühl bestiegen. Gerade die Wochen vorher zehren an mir, denn selbst wenn ich versuche, mir nicht zu viele Gedanken über den anstehenden Flug zu machen, ist mein Unterbewusstsein in Alarmbereitschaft versetzt, ganz so als ob ich mich demnächst einen Kampf um Leben und Tod aussetzen müsste.

Mich ganz nah an die wilden Tiere Afrikas heranzuwagen, in Australien Spinnen und Schlangen zum Trotz ohne Zelt zu campen oder mich von Klippen ins Meer zu stürzen – über all das lächelt mein Angstempfinden nur müde, ob nun zu recht oder nicht. Aber wenn ich dann nach ausgiebigen Sicherheitschecks die mächtige und robuste A380-Maschine besteige, werde ich plötzlich zu einer hoch abergläubischen Person, die die Schlagzeilen des nächsten Tages schon vor Augen hat, mit einem großen Foto der Absturzstelle über die gesamte Titelseite.

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Damit ist klar: Angst folgt keiner Vernunft, keiner Statistik und keiner Logik. Sie folgt ja noch nicht einmal der Erfahrung und dem Gelernten. Immerhin habe ich mein letztes Jahr in einem großen Flugunternehmen verbracht, das Flugzeuge wartet und überholt, wo ich gelernt habe, wie viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um mein persönliches Horrorszenario unmöglich zu machen.

Unmöglich ist es natürlich trotzdem nicht, aber was ist das schon? Es passieren die unmöglichsten Dinge, aber eben auch nur vereinzelt, verstreut über die ganze Welt, die gesamte Menschheit und die Jahrzehnte oder auch Jahrhunderte. Wichtig ist doch nur, dass man sich keiner realen Gefahr aussetzt und das ist auch der Grund, warum ich meine Angst Angst sein lasse und morgen trotzdem meinen Flieger nach Thailand besteigen werde. Denn bisher hat sich jede einzelne verkrampfte und angespannte Stunde in einem Flugzeug für mich mit so vielen schönen Erlebnissen und Erinnerungen ausgezahlt, zu der keine Angst der Welt in Relation stehen kann.

Natürlich gibt es auch Ängste, die ihre Berechtigung haben. Von allen anderen sollten wir uns aber nicht beherrschen lassen – im Gegenteil. Dass die Angst über mir im Flugzeug schwebt, kann ich nicht ändern, aber dafür soll sie sich ruhig ärgern, dass ich bisher noch nicht einmal auf sie gehört habe und ihr zuliebe am Boden geblieben bin.

 

Ängste kontrollieren in 5 Schritten

 

 1. Mein Freund die Angst

Sorgen nicht verdrängen, sondern sich stattdessen mit ihnen auseinandersetzen. Manchmal hilft es, darüber zu sprechen, zu schreiben oder auch sie sich im Geiste vorzustellen – zum Beispiel als ein kleines Kind, um das man sich zwar kümmert, aber welchem man auch die Abstrusität ihrer Phantasien zu erklären versucht, weil man ja selbst der Stärkere ist.

 

2. Mein Mantra

Klingt nach spirituellen Humbug, aber es hilft. Einfache, kurze Sätze, die einem persönlich helfen, schwierige Situationen zu meistern. Ich sage mir zum Beispiel oft: „Egal, was kommt, wer Angst hat, leidet immer einmal mehr.“

 

3. Der große Bruder der Angst

Sich Situationen vorstellen, die noch viel beängstigender sind als die momentane, die einem immerhin auch schon eine ordentliche Angst bereitet, denn schlimmer geht immer. Wenn ich im Flugzeug sitze, stelle ich mir manchmal vor, dass neben dem Flugzeug ein Heißluftballon fliegt (dass der niemals in 10.000 Metern Höhe unterwegs sein sollte, spielt dabei keine Rolle). Müsste ich in dem kleinen Bastkorb unter der zischenden Flamme sitzen, würde ich mich direkt in das große und „sicherere“ Flugzeug wünschen und ich fühle mich ein bisschen besser.

 

4. Plan B

Für jede Angst gibt es Mittel und Wege, sich zumindest ein stückweit von der Beklemmung zu befreien. Dabei ist es nicht immer notwendig, mit der Brechstange vorzugehen, oftmals reicht es schon, wenn man weiß, dass man für den Notfall einen Ausweg kennt. So habe ich im Flugzeug oft Tabletten dabei, für den Fall, dass ich die Angst nicht mehr ertrage. Da es aber bisher noch nicht so schlimm gekommen ist, habe ich sie noch nie gebraucht. Dass sie dabei waren, hat mich aber dennoch beruhigt.

 

5. Focus on the good

Wie ich oben schon erwähnt habe, stellt man sich oftmals seinen Ängsten, um etwas zu erleben. Aber es gibt auch Ängste des Alltags, denen wir uns stellen müssen, zum Beispiel die Angst vor Menschenmengen auf dem Bahnsteig, Versagensängste im Job oder Verlustängste in der Beziehung. Dabei sollten wir uns aber immer vor Augen halten, warum wir uns freiwillig diesen Ängsten aussetzen. Sie berühren uns in Bereichen unseres Lebens, auf die wir nicht verzichten wollen. Denn wir WOLLEN zu Besuch bei unser Freundin in Stuttgart, beruflich erfolgreich und glücklich vergeben sein. Und darum wissen wir auch, warum wir es tun!

 

P.S.: Ich hoffe, ihr lebt eure Träume und lasst euch von Ängsten nichts verbieten! Ich jedenfalls freue mich auf meinen Thailand-Urlaub mit Dave. Die nächsten Einträge kommen sicherlich aus dem Land des guten Essens 🙂

Eure Jane