Bachelor, Ball und Blumen

Ein einziger Tag voller Hektik, Eitelkeit und schöner Momente

Klassischerweise lieben Frauen Abschlussbälle. Jede US-Highschool-Komödie vermittelt uns, dass es im Leben junger Menschen kaum einen wichtigeren Abend gibt. Ein traumhaftes Kleid, eine perfekte Hochsteckfrisur, ein toller Makeup-Look. Der perfekte Schuh, die passende Tasche und funkelnder Schmuck. Alles, was eben dazu gehört und womit sich Frau schon Wochen oder gar Monate vor dem Abend aller Abende verrückt macht. Zum Glück bin ich aus dem Alter längst raus. Diesen Stress mache ich mir gewiss nicht mehr. Warum auch? Dachte ich…

 Um einer hektischen Shopping-Eskalation rund um das passende Ballkleid zu entkommen, habe ich mir bereits in meinem Thailand-Urlaub im März ein schlichtes, aber elegantes Etui-Kleid maßschneidern lassen. Während ich bei meinem Abiball noch dachte, ich bräuchte unbedingt ein bodenlanges Prinzessinnenballkleid mit Glitzer und aufregendem Rückenausschnitt, waren meine Kriterien diesmal deutlich rationaler – etwas, das man auch nach dem Ball nochmal anziehen kann. Hochzeit, Bälle, Tanzabende: Mein Schrank ist voller einmalig getragener Kleider und da sollte kein weiteres dazukommen, das ich nie wieder tragen würde.

Nun also war das Problem um das Ballkleid schon einmal aus dem Weg geräumt und spätestens nachdem ich mir zurück in Deutschland die passenden Accessoires (Buffalo Pumps und Calvin Klein Clutch, beides in Beere) bestellt hatte, sah ich dem Abend für viele Wochen sehr relaxed entgegen.

Bevor ich mich versah, stand der Abend auch schon kurz bevor. Mist, ich habe ja noch gar keinen Schmuck, dachte ich dann, 3 Tage vor dem Ball erschrocken und wurde nun doch etwas nervös. Schnell noch meinen Zalando-Warenkorb mit silberner Kette und Ohrringen gefüllt und “zur Kasse gegangen”. Puh, Erleichterung, der Schmuck sollte rechtzeitig kommen… Doch dann kam alles anders. Meine Lieferung kam nicht pünktlich (wer kennt das nicht?) und ich hatte keinen Schmuck. Durch lange Tage bei der Arbeit und einem vollgepackten Terminkalender am Tag der großen Feier fiel also die Suche nach etwas Funkelndem flach und je mehr ich darüber nachdachte, umso sicherer wurde ich mir: Schmuck ist eigentlich das WICHTIGSTE, was eine Frau an einem solchen Abend tragen muss.

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Am 12. Mai habe ich mir Urlaub genommen, ein solcher Anlass braucht schließlich seine Vorbereitung, definitiv eine meiner Stärken: Eine gute Organisation. Robe abholen, Friseurbesuch, Termin für Makeup, Treffen mit David am Bahnhof und ab zur Location. Umziehen vor Ort und dann sollte der Abend so richtig Fahrt aufnehmen.

Doch von vorne. Nachdem bis zum Friseurtermin alles seinen getakteten Lauf nahm, hetze ich mit frisch geschnittenen und gestylten Haaren zur Visagistin rüber. Und dort erwartete mich dann ein wahres Desaster für eine Frau. Nachdem ich mich und meine Haut am Abend vorher gründlich vorbereitet hatte (Peeling, Maske, Creme und Co.), war ich mir sicher, dass mir ein Profi ein atemberaubendes Make-up verpassen würde, mit dem ich einmal einen ganz anderen Look von mir sehen könnte. Vielleicht war es die falsche Visagistin, vielleicht hatte sie einen schlechten Tag oder ich bin überaus kritisch, was Makeup an mir angeht… Aber ich sah zum Davonlaufen aus. Alle Männer, die das jetzt lesen, werden sich sicher fragen, warum wir Frauen uns nur jedes Mal so einen Stress damit machen – oder warum es überhaupt ein großes Aufgebot an Rouge, Smokey Eyes und Highlighter bedarf. Und alle Leserinnen werden es sicherlich verstehen: Das. Ist. Ein. Weltuntergang.

Über meinen Augen prangte ein dunkles Dreieck an schlampig aufgetragenem Lidschatten. Meine Augen waren dick umrandet von schwarzem Kajal und ich sah irgendwie krank aus – ach ja, die Foundation war gefühlte 3 Nummer zu hell für meinen Hautton. Ich hätte mich beschweren und verlangen sollen, dass die Visagistin die Katastrophe wieder zu richten hat, doch ich wusste: Die Zeit spielte gegen mich. Ich sprang also in voller Panik auf, klatschte das Geld auf den Tresen und lief hinaus, im Sprint zum nächsten Drogeriemarkt, um mir Reinigungstücher zu besorgen. Von dort aus, ging es zurück zu meinem Friseur des Vertrauens, der mir mein Haarstyling für den Abend kreiert hat, leider aber kein Makeup anbietet. Die Mädels sahen sofort mein Entsetzen. “Darf ich mich bei euch reinsetzen und mich noch einmal neu schminken? Ich sehe furchtbar aus”, erklärte ich außer Atem. Die Mädels nahmen mir meine Jacke ab und brachten mir Wasser. Ich nahm auf einem Stuhl am Fenster Platz und kramte meine mitgebrachten Makeup-Utensilien mit. Im Nachhinein habe ich daran denken müssen, dass eine solche Situation zeigt, dass wir Frauen ein ebenso hohes Maß an Solidarität miteinander empfinden können wie Männer, auch wenn uns ja oftmals fehlender Zusammenhalt nachgesagt wird. Aber wenn es drauf ankommt…
Während ich mir also die Katastrophe aus dem Gesicht wischte, frischten mir die Friseurinnen noch einmal die Haare auf und sprachen mir gut zu. Danke an der Stelle an das liebe Team von Peter Polzer am Gänsemarkt!!

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Auch wenn ich nun spät dran war, fühlte ich mich doch zumindest wieder wohl in meiner Haut – an den fehlenden Schmuck mochte ich gar nicht mehr denken…

Am Hotel Süllberg angekommen, flitzte ich ins Bad und zog Kleid und Schuhe an, als plötzlich meine Schwester an meiner Seite steht. Sofort fiel mir auf, dass sie eine wunderschöne Kette trug, genauso, wie ich sie gebraucht hätte – silbern, zart und schlicht. Während ich in den Spiegel schaute, legte mir Nele genau DIESE Kette um… Sie hatte sie zweimal gekauft, eine für sich und eine für mich. Ich musste mir die Tränen verdrücken und drückte stattdessen meine Schwester voller Dankbarkeit und dem überwältigenden Gefühl, dass da mit Sicherheit irgendeine Verbindung zwischen uns sein muss, die uns immer im richtige Moment füreinander da sein lässt.

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Die Aufregung war leider zunächst nicht ganz besänftigt, da der offizielle Teil der Zeugnisübergabe noch bevorstand und uns eine verdammt hohe Stufe vor der Bühne vom Akademiker-Dasein trennte. Mit pochendem Herzen stand ich in einer Reihe mit meinen Kommilitonen. Zwar hatten wir uns alphabetisch sortiert, doch war ich mir nicht ganz sicher, wann ich aufgerufen werden würde. In dem Moment, wo ich glaubte, nun endlich an der Reihe zu sein, erfüllte ein lautes Grölen den gesamten Saal und ich sah aus dem Augenwinkel zwei Männer von ihren Stühlen aufspringen. Was hatte der Campusdirektor da gesagt? War das mein Name? Um Gottes Willen, ich hatte meinen Namen nicht verstanden. Aber das Wissen, dass das nur meine Familie hatte sein können, die diesen Krach veranstaltete, gab mir die Gewissheit, dass nun wohl mein Bild auf der Leinwand erschien war. Und ich hatte mich nicht geirrt. Natürlich waren die beiden jubelnden Typen Dave und Eike, während meine Schwester mir ganz gerührt zuwinkte. Ich bekam also mein Zeugnis übergeben und mir fiel ein Stein vorm Herzen: Nicht gestolpert, nicht gefallen, ich hatte es geschafft! Ich war nun offiziell eine studierte Medienmanagerin!

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Am Ende war es ein wirklich traumhaft schöner Abend, an dem wir viel gelacht und getanzt haben. Das wichtigste ist und bleibt aber immer die Liebe und Unterstützung meiner Liebsten!

Ob es den ganzen Stress jetzt wirklich wert war? Natürlich nicht. Am Ende werden die Haare ohnehin zum Dutt gebunden und die Schuhe ausgezogen. So tanzt es sich einfach besser 🙂