IRONMAN 2017 

Das Hamburger Sport Ereignis diesen Jahres „Der IRONMAN“ ist nun schon einige Wochen her, es war ein Tag voller Spannung, Emotionen und vielen, vielen Helden die geboren wurden .
Einer dieser Helden ist mein Kumpel Stefan, er hat es gewagt sich auf dieses körperliche Abenteuer einzulassen und hat allen Widrigkeiten standgehalten.

Ich hatte das Vergnügen ihn an diesem besonderen Tag 14 Stunden zu begleiten, ihn anzufeuern, ihn zu motivieren und ihn vor allem nach diesen Strapazen, wieder heil nach Hause zu bringen.
Im folgenden Bericht lässt Stefan für Euch diesen besonderen Tag Revué passieren .
Ihr könnt gespannt sein, vielleicht steckt in dem einen oder anderen von Euch ja auch ein IRONMAN 😉


Liebe Sportsfreunde,

wie versprochen, mein finaler Bericht zu meinem ersten IRONMAN-Finish.

In meinem ersten Post am 05.01.17 habe ich geschrieben, dass mein Ziel für dieses Jahr wäre, das Ziel beim IM Hamburg vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Nun, knapp 9 Monate später kann ich von Glück reden, dass es im August so lange hell ist.

Aber dazu später mehr.

Zunächst trennten mich von diesem Erfolgserlebnis 226 Km verteilt auf 3,8 Km Schwimmen, 180 Km Rad und 42,2 Km Laufen. Und die galt es in der Reihenfolge zu bewältigen.

Der 13.8. begann für mich morgens um 3:30 Uhr. Ich hatte so gut wie nicht geschlafen und bin geistig 10 000 Mal durchgegangen ob ich beim „Rad Check In“ am Vortag alles richtig vorbereitet habe. Morgens wäre zwar noch Zeitgewesen, in der Wechselzone das jeweilige Lauf- und Radequipment entsprechend zu präparieren aber an Schlaf war so oder so nicht zu denken also macht man sich die Nacht davor lieber mit solchen Gedanken wahnsinnig. 

Um 4:30 klingelte mein Telefon, Eike stand schon vor meiner Haustür, um mich abzuholen.

Es begann der Tag der Tage 🙂

Ich schlug also um ca. 5:15 Uhr am Ballindamm in der Wechselzone auf und begann mit den restlichen Vorbereitungen, hielt ein kurzes Gespräch mit meinen Trainingspartnern und genoss einen kurzen Augenblick das geschäftige Treiben der 2500 Athleten an diesem milden Morgen. 
Kurzum, ich tat alles um meine wahnsinnige Aufregung vor mir selber zu verbergen. 

Der Startschuss rückte näher und die innere Unruhe stieg weiter an. Ein letztes Mal kam meine Trainingsgruppe zusammen um uns zu motivieren, Mut zu zusprechen und gegenseitig einen erfolgreichen Tag zu wünschen. Die Anspannung hätte man zu diesem Zeitpunkt mit dem Messer schneiden können.
Um 6:40 Uhr stand ich nun zwischen 2500 Triathleten am Jungfernstieg in der Startzone für die 3,8 Km Schwimmen. Jeder war nur noch mit sich selbst beschäftigt und mir schoss ein letztes Mal durch den Kopf: „WAS ZUM TEUFEL TUST DU HIER?!“ 

Unter tosendem Applaus warfen sich die Profiathleten in die Alster. Schon um diese Uhrzeit drängelten sich die Zuschauer hinter den Absperrgittern um die besten Plätze. Ab 7 Uhr ging es, gestaffelt nach zu erwartenden Schwimmzeiten, für die restlichen Sportler in Wasser. 

Für mich startete der IRONMAN Hamburg ca. 7:15 Uhr. Ich fand glücklicherweise relativ schnell meinen Rhythmus. Zu diesem Zeitpunkt ließ zum ersten Mal die Anspannung etwas nach. Dank der letzten 8 Monate Schwimmtraining konnte mein Körper routiniert den Bewegungsablauf abrufen. 

Und tatsächlich fühlte es sich nach ca. 400m nach Schwimmen an. 

Knapp 1:19 Std später lief ich die Wechselzone entlang, streifte den Neoprenanzug ab und zog Radschuhe und Helm an. Ich zwang mich, nicht in Hektik zu verfallen und nicht von dem Treiben links und rechts anstecken zu lassen. Es blieb bei dem kläglichen Versuch. 


Wenig später saß ich auf dem Rad und versuchte meinen Puls erstmal etwas zu beruhigen und in den Rhythmus zu kommen. Es galt an diesem Tag 2 Runden zu je 91 Km zu absolvieren. Über die Köhlbrandbrücke durch den Hafen über Harburg bis zum südlichsten Punkt nach Buchholz und zur Wendemarke am Ballindamm. 

Die ersten 100 Km verliefen ohne Zwischenfälle. Ich hielt meine Pulsvorgaben ein, verpflegte mich regelmäßig und fuhr das Tempo trotz des teilweise starken Gegenwindes relativ gleichmäßig. 
Dann passierte was passieren musste…mein rechtes Knie machte sich das 1. Mal bemerkbar. Ich hatte in meiner Vorbereitung immer mal wieder Probleme und hatte mich vorsorglich getapt. Leider vergebens. Da der Schmerz nicht wirklich stark war, ich aber um die restliche Belastung an diesem Tag wusste, nahm ich entsprechend das Tempo raus. 

Zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass es mit meiner Zeit die ich mir insgeheim vorgenommen hatte, nichts werden würde. 
Ein erster kleiner Rückschlag. 

Und so zogen die Uwe`s und Steffi`s dieser Welt an mir vorbei. Gefühlt wurde ich von jedem Athleten überholt und meine Laune näherte sich dem Tiefpunkt. Dieser war dann erreicht, als mich bei Km 150 mein Knie dazu zwang das Tempo und damit die Belastung immer stärker zu verringern. Mir ging alles Mögliche durch den Kopf…schließlich wartete noch ein Marathon auf mich…und soweit ich wusste, war ich zu diesem Zeitpunkt noch keine solche Strecke zuvor gelaufen. Die Zielzeit war zu diesem Zeitpunkt schon kein Thema mehr. 

Das 1. Mal an diesem Tag geisterte durch meine Gedankengänge ob vielleicht ein Abbruch eine Alternative darstellen würde. 

Im Nachhinein ein völlig abwegiger Gedanke, aber zu diesem Zeitpunkt war es bittere Realität.

Nach 6:42 Std erreichte ich die Wechselzone. Wieder war es ein Abrufen der immer wieder geübten Abläufe: Rechtzeitig absteigen, Rad einhängen, Laufsachen holen und bloß nicht zu schnell loslaufen!! Ging ja mit dem Knie sowieso nicht. 


Auf den ersten Kilometern der insgesamt 4 Runden wurde ich dann sofort dafür belohnt, den Gedanken des Abbruchs schnell wieder verworfen zu haben. Die Stimmung entlang der gesamten Strecke war einfach unfassbar. Die Begeisterung und Anfeuerungsrufe trug mich zunächst über die Hälfte des Marathons und ließ mich die Schmerzen vergessen. Selbst jetzt beim Schreiben dieser Zeilen kann ich ein breites Grinsen nicht vermeiden. Sowas MUSS man selber erleben.
Plakate wie „AUFGEBEN KANNST DU BEI DER POST“ oder „LÄCHELN, DU HAST DAFÜR BEZAHLT“ sorgten dafür, dass ich diesen Tag immer mehr genießen konnte. Und so störte es auch nicht weiter, dass sich zu den Schmerzen in meinem Knie auch Schmerzen in den Schultern, im Nacken und Rücken gesellten. Aber sei es drum…Ich wusste vorher das es weh tun würde. Puls-und Tempovorgaben waren in dieser Phase nur noch graue Theorie und ich war lediglich darauf bedacht meinen Körper am Laufen zu halten und regelmäßig die Krämpfe in meiner rechten Wade mit entsprechenden Dehnübungen zu bekämpfen. Und trotz aller Probleme war die Erfahrung auf der Laufstrecke absolut einmalig. Ich saugte die Stimmung auf und spulte die Kilometer weiter Richtung Ziel ab.

Ich wurde einige Male vorher gefragt: „Stefan, warum macht man sowas?“ Meine Antwort war meistens recht plakativ: „Weil ich’s kann“ oder etwas ähnliches abgedroschendes in dieser Richtung. 
So richtig sollte mir die Antwort aber erst auf den letzten 400m wirklich bewusst werden.

Auf diesen letzten 400 Metern fiel mit jedem Schritt stückweise die gesamte Anspannung ab. 

Mittlerweile war alles egal geworden: die Schmerzen in meinem Körper, die Gedanken an eine Aufgabe, die Krämpfe…all dies war nur noch ein Schatten welchen ich hinter mir her zog. 
Nur 400 Meter die zwischen mir lagen und nicht nur einer erfolgreichen Teilnahme an einem IRONMAN sondern vor allem einem Sieg über mich selbst. 

Mit den Worten: “STEFAN, YOU ARE AN IRONMAN!“ begrüßte mich der Sprecher umhüllt von den tosenden Menschen auf den Tribünen der Zielzone. Gänsehaut pur!


Und dann wurde mir klar…Genau für dieses Gefühl habe ich es getan! Achteinhalb Monate Vorbereitung mit Erfolgserlebnissen und Rückschlägen, 13 Stunden 32 Minuten und 49 Sekunden emotionale Achterbahnfahrt…genau für diese letzten 400 Meter.
Klingt bescheuert? Es war jede Sekunde wert!!!

 

Herzlichst, Euer Stefan